Sonntag, 20. Mai 2012
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Die Entstehung des Schnieglinger Kinderhorts

Kurzfassung des Berichts von Georg Därr

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als auch in Schniegling Männer und Frauen der Arbeiterbevölkerung einem Verdienst nachgehen mussten, war es mit der Kinderbeaufsichtigung schlecht bestellt. Im günstigsten Fall wurden die Kleinen einer alten Nachbarsfrau in Obhut gegeben.

Es war der Verdienst von Dr. Roth, dem Inhaber der Kapselfabrik Louis Vetter, der damals eine Kinderschule einrichten wollte. Zunächst dachte man daran, Räume im Crämerschen Anwesen in Doos zu mieten. Doch die Zimmer dort waren wenig geeignet und vor allem fehlte ein Spielplatz.

Zu Beginn bildete sich ein Ausschuss zur Errichtung einer Kleinkinderbewahranstalt, der sowohl von der Gemeinde Schniegling als auch von der Bevölkerung Zuschüsse und freiwillige Gaben erhielt. Man vergab Anteilscheine zu je 100 oder 500 Mark, die zu drei Prozent verzinst wurden. Jedes Jahr zur Kirchweih stellte man eine Glücksbude auf, um weiteres Geld einzunehmen. Zuletzt konnte noch die Grundstücksfrage geklärt werden. Der Bau begann im Frühjahr 1895 und wurde am 27. September 1896 als Kinderhort Schniegling feierlich eingeweiht.

Im Erdgeschoss befanden sich ein 80 Quadratmeter großer Saal, ein Badezimmer und drei Badewannen, außerdem eine Küche, eine Speise und ein Dienstbotenzimmer. Im ersten Stock waren ein gleich großer und ein kleinerer Saal und drei Schwesternzimmer.

Neben den Kleinkindern wurden auch Schulkinder betreut und Handarbeitskurse abgehalten. Letztere mussten ein wöchentliches Schulgeld von 10 Pfennigen entrichten. Mit hundert und mehr Kindern hatten die Schwestern alle Hände voll zu tun, die Buben und Mädchen einigermaßen an die neuen Verhältnisse zu gewöhnen. Der Mindestsatz für den Hort betrug zunächst wöchentlich 10 Pfennige. Die erste Leiterin war Oberschwester Friederike Sauer.

Nach der Eingemeindung wurden die oberen Räume des Gebäudes zeitweise als Schulräume genutzt. Immer wieder wurde in dem historischen Gebäude umgebaut. Im ersten Stock entstand schließlich eine Lehrerwohnung, in die zunächst Lehrer Hirschmann und später Lehrer Därr einzog.

1917 wurden die Schwestern abberufen und der Anstaltsbetrieb an eine Kindergärtnerin übertragen. Bis 1938 übernahm Oberlehrer Georg Därr die Leitung des Kindergartens. Ab 1945 war der Kinderhort Schniegling Diakoniestation, Kindergarten und Kinderhort. Als Ende der 50er Jahre ein „Haus der Jugend“ an der Holsteiner Straße 17 mit einem Kindergarten und Kinderhort, einer Schwesternstation und Jugendräumen gebaut wurde, konnte der ehemalige Kinderhort Schniegling verkauft werden.
Die Apothekerin Frau Laube eröffnete in diesem Haus am 15. Dezember 1960 die erste und einzige Schnieglinger Apotheke. Die oberen Etagen sind bis heute als Wohnungen vermietet.

Informationen dazu finden Sie auf der Webseite der Evangelischen Versöhnungskirche Nürnberg.