Nach Dr. Hans Geer (Rektor a. D.)
Wie war eigentlich das Leben zu der Zeit, als die Schnieglinger die Wende zum 19. Jahrhundert vollzogen und eine Schule bekamen? Schule war damals wie heute eingebunden in die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse der Zeit. Die damaligen Verhältnisse Mitte des 18. Jahrhunderts sind für uns heute unvorstellbar. Eine Reihe sehr strenger Winter und vernichtende Überschwemmungen verwüsteten das Land. Ein Chronist berichtet: „Im Jahr 1771 herrschte in Fürth und seinem östlichen Umland eine große Hungersnot. Es war die bedeutendste, die je hier vorgekommen ist, bedeutender als die von 1633 und 1817.“ Die Folgen waren Teuerung und der Ausbruch von Hungertyphus.
1796 verwüsteten die Franzosen das gesamte Umland und rückten in Nürnberg ein. Im Dezember 1800 wurde Wetzendorf und Schniegling von 3000 Franzosen belagert, denn Österreich führte Krieg mit Frankreich. Der Pfarrer von Poppenreuth jammerte darüber, dass man nicht nur die Feldwachen, sondern im ganzen besetzten Gebiet pro Haus 50 bis 60 Soldaten ernähren musste.
Hin und wieder gab es in diesen schwierigen Zeiten für die Schnieglinger doch etwas zu bestaunen. 1745 erlebten die Kinder an der Schnieglinger Straße eine "wahrhaftige" Kaiserin durch den Ort fahren. Sie hieß Maria Theresia und war auf den Weg nach Frankfurt zur Krönung ihres Gemahls Franz I. zum deutschen Kaiser. Und die Bauern des Knoblauchslandes staunten nicht schlecht, als am 12. November 1787 Der Ballon Blanchards als erster Flugapparat in Nürnberg startete und bis nach Vach fuhr.
Nürnberg fiel am 15. September 1806 mit 25.176 Einwohnern an das neu gegründete bayerische
Königreich. Die Dörfer Poppenreuth, Doos, Schniegling und Wetzendorf hatten von nun an einen
neuen Landesvater. Trotz dieser Wirren und Umwälzungen entstand zu Beginn des 19. Jahrhunderts
der Wunsch nach einem umfassenderen und besseren Bildungsangebot für alle Schichten der Bevölkerung.
Bereits 1802 ließen Max Joseph, damals regierender Kurfürst und sein Minister Montgelas
in Bayern die allgemeine Schulpflicht ankündigen. Ab 1806 waren die Schulen in Nürnberg und
Umland verpflichtet, dieses neue bayerische Schulgesetz durchzusetzen. Das war für die meisten
Eltern Grund des Protestes. Die Wohlhabenden zogen einen Privatunterricht für ihre Kinder vor.
Die Unbemittelten hielten Schulbildung für absolut unnütz. Der Zeitpunkt der Gründung unserer
Schule - 1806 - ist deshalb auch von großer Bedeutung, da zeitgleich das gesamte Schulwesen
eine komplette Neuorganisation erfuhr.
Das erste Schulgebäude in Schniegling stand auf dem Grund eines der fünf Bauernhöfe, dem Mühlhof, und lag inmitten des historischen Ortskerns. Es lag gegenüber des Ermann’schen Hofes mit Adresse Schnieglinger Straße 239. Bis heute ist uns leider unbekannt, wer der erste Lehrer und Schulleiter in Schniegling war. Bekannt ist, dass dieser zusätzlich zu seinem Unterricht auch für den Kirchendienst in Poppenreuth verantwortlich war.
In diesen letzten zwei Jahrhunderten hat sich in der Geschichte und in unserem Schulalltag vieles verändert. Der pädagogische Hintergrund von einst schwingt aber auch heute noch als Vision vom "besseren Miteinander" in jedem unserer Unterrichtsräume: Der Mensch muss besser erzogen und das Bildungs- und Schulwesen beständig verbessert werden.
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